Therapie

Neurodermitis: Behandlung

Behandlung

Die Behandlung von Neurodermitis umfasst unterschiedliche Maßnahmen, die jeweils individuell auf den Patienten abgestimmt werden sollten. Zu den wesentlichen Therapie-Bausteinen zählen die Vermeidung von auslösenden Faktoren, eine geeignete Hautpflege und die sogenannte antiinflammatorische Therapie (Antientzündliche Therapie). Fest steht: Auch wenn Neurodermitis nicht heilbar ist, so stehen heute doch gute Möglichkeiten zur Verfügung, die Juckreiz und Ekzeme lindern und damit die Lebensqualität deutlich verbessern können.

Hilfe bei Neurodermitis: Basistherapie

Was tun bei Neurodermitis? Unverzichtbar ist die sogenannte Basistherapie. Diese umfasst sowohl die Vermeidung von sogenannten Provokationsfaktoren (Auslösern) als auch die gezielte, intensive Hautpflege.

Provokationsfaktoren meiden

Bestimmte Faktoren können einen Neurodermitis-Schub begünstigen. Patienten sollten daher bereits bekannte Auslöser möglichst meiden. Häufig führt zum Beispiel Nikotin-Konsum zu einem erneuten Schub – bei anderen wiederum ist Stress die Wurzel des Übels. Auch bestimmte Unverträglichkeiten gegenüber Nahrungsmitteln können eine Rolle spielen. Wurde eine derartige Unverträglichkeit ärztlich nachgewiesen, ist es wichtig, die entsprechenden Nahrungsmittel vom Speiseplan zu streichen oder den Verzehr einzuschränken.

Behandlung Hilfe bei Neurodermitis

  • Vermeidung von individuell bekannten Auslösern (z. B. Nikotin, bestimmte Nahrungsmittel, Stress, Hausstaubmilben)
  • Intensive Hautpflege zur Linderung der Hauttrockenheit (z. B. mit Harnstoff)
  • Äußerlich anzuwendende, entzündungshemmende Cremes, Salben etc.
  • Medikamente zur Einnahme (z. B. orale Antihistaminika, orale Glukokortikosteroide)
  • Schulungsprogramme
  • Antimikrobielle Kleidung
  • Phototherapie
  • Psychotherapie
Wichtig zu wissen: Wichtig zu wissen:

Es gibt keine allgemeingültige Neurodermitis-Diät, die für alle Patienten gleichermaßen zutreffen würde. Vielmehr gilt es, individuelle Unverträglichkeiten aufzuspüren und den Speiseplan entsprechend umzustellen („Eliminationsdiät“).

Konsequent durchzuführende Hautpflege

Eine intensive, konsequente Hautpflege ist bei Neurodermitis unverzichtbar. Dabei geht es primär darum, die bestehende Hauttrockenheit gezielt zu lindern.

Wichtig zu wissen: Wichtig zu wissen:

Hauttrockenheit führt zu Juckreiz, Brennen und Entzündungen. Die symptomatische Behandlung in Form einer geeigneten Basistherapie ist daher unverzichtbar. Das gilt auch in beschwerdefreien Intervallen!

Zur Basistherapie geeignet sind vor allem Cremes und Salben mit rückfettenden Effekten z. B. auf Basis von Harnstoff oder Glycerin. Je nach Hautbeschaffenheit eignen sich

  • Fette Salbengrundlagen bei trockener Haut
  • Feuchtigkeitsspendende Öl-in-Wasser-Emulsionen bei weniger trockener Haut

Gegebenenfalls können auch spezielle Ölbäder zum Einsatz kommen. Geeignete Präparate zur Basispflege stehen rezeptfrei in der Apotheke zur Verfügung. Lassen Sie sich dort oder von Ihrem behandelnden Arzt ausführlich beraten.

Antientzündliche Lokaltherapie mit Kortison:
Ekzeme & Juckreiz lindern

Zur topischen (also lokalen, äußerlichen) Behandlung bei Neurodermitis stehen heute verschiedene medikamentöse Maßnahmen zur Verfügung:

Zu den wichtigsten lokalen, antientzündlichen (antiinflammatorischen) Substanzen zählen die topischen Glukokortikosteroide. Es handelt sich dabei zum Beispiel um Cremes oder Salben auf Basis von Kortison, die äußerlich angewendet werden und entzündungshemmende, juckreizlindernde Effekte besitzen. Es stehen unterschiedliche Wirkstärken zur Verfügung, die je nach Ausprägung der Beschwerden angewendet werden können. Die Wirkung von topischen Glukokortikosterioiden ist wissenschaftlich belegt1.

Wichtig zu wissen: Wichtig zu wissen:

Noch immer ist die Angst vor Kortison und möglichen Nebenwirkungen weit verbreitet. Gerade moderne Präparate zur äußerlichen Anwendung können Hautprobleme bereits in niedriger Dosierung lindern und sind dabei bei kurzzeitiger Anwendung in der Regel gut verträglich.

Eine weitere Wirkstoff-Gruppe, die in bestimmten Fällen zur Behandlung der Neurodermitis-Symptome zum Einsatz kommen kann, sind die sogenannten Calcineurin-Hemmer.

Medikamente zur systemischen Neurodermitis-Therapie

Neben Medikamenten zu lokalen, äußerlichen Anwendung stehen bei Neurodermitis auch Arzneimittel zur systemischen Therapie (also zur Einnahme) zur Verfügung.
Das Spektrum reicht von Antihistaminika bis hin zu oralen Glukokortikosteroiden (z. B. Kortison-Tabletten), die bei schweren Neurodermitis-Formen im Akutfall zum Einsatz kommen können.
Welche Form der systemischen Therapie im individuellen Fall in Frage kommt, gilt es mit dem behandelnden Arzt zu klären.

Ergänzende Maßnahmen bei Neurodermitis

Unterstützend zu den Möglichkeiten einer geeigneten Basistherapie sowie zur medikamentösen Behandlung von Neurodermitis stehen ergänzende Maßnahmen zur Verfügung, die das Leben mit der chronischen Hauterkrankung erleichtern können. Bewährt hat sich zum Beispiel eine Neurodermitis-Schulung, bei der Betroffene bzw. Eltern mit ihren Kindern mehr über den Umgang mit der Erkrankung lernen können. Im Einzelfall kann auch eine Psychotherapie positive Effekte haben – Studien belegen die Wirksamkeit. Experten empfehlen zudem das Tragen antimikrobieller Unterwäsche , die mit Silbernitrat oder einer Ammoniumnitratverbindung beschichtet ist.
Nicht zuletzt hat sich auch die sogenannte Phototherapie bei Neurodermitis bewährt. Die Bestrahlung mit UVB- bzw. UVA-Licht wird in der Regel in dermatologischen Praxen angeboten.
Lesen Sie hier mehr zum Thema Tipps bei Neurodermitis.

Individuelle Behandlung Stufentherapie

  • Bei trockener Haut (Stufe 1)
    • Vermeidung/ Reduktion von Triggerfaktoren
    • Geeignete Hautpflege
  • Bei leichten bis moderaten Ekzemen (Stufe 2 und 3)
    • Maßnahmen der Stufe 1
    • Topische Glukokortikosteroide, also z. B. Salben, Cremes auf Basis von Kortison zur äußerlichen Anwendung
    • Und/ oder topische Calcineurininhibitoren
  • Bei schwer ausgeprägten Ekzemen
    • Maßnahmen der Stufen 1-3
    • Zusätzlich systemische, immunmodulierende Therapie

Tipps bei Neurodermitis

Nicht kratzen!
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Nicht kratzen!

Trotz Juckreiz gilt: Nicht Kratzen! Denn andernfalls setzt eine kaum zu unterbrechende Juck-Kratz-Spirale in Gang, die nicht nur die Beschwerden verschlimmert, sondern zudem die Entstehung von Sekundärinfektionen begünstigt. Versuchen Sie es stattdessen mit Reiben, Zwicken oder Beklopfen der betroffenen Hautstellen – auch das kann Linderung verschaffen. Ebenfalls wichtig: Schneiden Sie die Fingernägel kurz und tragen Sie nachts dünne Baumwollhandschuhe. Auf diese Weise lassen sich mögliche Kratzschäden verringern.
Lesen Sie hier mehr zum Thema Tipps bei Juckreiz.

Individuelle Triggerfaktoren meiden
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Individuelle Triggerfaktoren meiden

Ein wichtiger Baustein der Behandlung von Neurodermitis lautet: Vermeiden Sie individuelle Auslöser (Provokationsfaktoren). Egal ob es sich nun um bestimmte Lebensmittel, Alkohol Nikotin oder auch Blütenpollen oder Tierhaare handelt – wichtig ist, die persönlichen „Übeltäter“ zu identifizieren und möglichst vollständig zu meiden. Da auch psychische Komponenten wie Stress oder Anspannung eine Rolle spielen können, kommt dem Thema Stressabbau eine zentrale Rolle zu. In Einzelfällen kann auch eine Psychotherapie sinnvoll sein. Lassen Sie sich dazu von Ihrem behandelnden Arzt beraten.

Sanfte Körperpflege
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Sanfte Körperpflege

Die Haut von Neurodermitis-Patienten ist besonders sensibel und reagiert häufig auf Inhaltsstoffe in Kosmetika und Pflegeprodukten mit entsprechenden Symptomen. Es empfiehlt sich daher, Produkte zu wählen, die frei von Parfum oder Konservierungsstoffen sind. Geeignet sind zum Beispiel pH-neutrale Seifen oder Waschlotionen. Grundsätzlich gilt: Besser warm duschen als heiß baden, denn heißes Wasser trocknet die Haut zusätzlich aus.

Geeignete Kleidung wählen
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Geeignete Kleidung wählen

Textilien können das Hautbild von Patienten mit Neurodermitis beeinflussen – positiv als auch negativ. Umso wichtiger ist es, bei der Auswahl der Kleidung genau hinzusehen. Während Wolle und Polyester als ungeeignet gelten, sollten Neurodermitis-Patienten eher auf Kleidung aus Baumwolle zurückgreifen. Als nahezu ideales Textil bei Neurodermitis gilt Seide. Darüber hinaus steht heute antiseptisch wirksame Unterwäsche zur Verfügung, die gezielt gegen die Besiedlung der Haut mit Staphylococcus aureus wirkt und somit eine Besserung der Ekzeme unterstützen kann1.

1A. Gauger, M. Mempel, A. Schekatz et.al: Silvercoated textiles reduce Staphylococcus aureus colonization in patients with atopic eczema. Dermatology 2003; 207: 1064 – 1068

Stressabbau
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Stressabbau

Stress gilt als einer der bekanntesten Triggerfaktoren bei Neurodermitis. Kein Wunder – ist die Haut doch immer auch Spiegel der Seele. Gezielter Stressabbau kann daher für viele Patienten hilfreich sein. Geeignet sind zum Beispiel Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Auch bestimmte Yoga-Arten oder Meditation können helfen, den Geist zu erden und das Stresslevel zu reduzieren.

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Literaturangaben:
AWMF online – S2 Leitlinie Dermatologie: Neurodermitis (04/2008)
R. Fölster-Holst, S. Weidinger: Neues und bewährtes zur Therapie des atopischen Ekzems. In Allergo J 2012; 21: 404-414
Landschek, I.: Allergien im Griff. 2010, Stiftung Warentest, Berlin; S. 50-55
Dr. Schickinger, Jürgen: Neurodermitis. Der Haut helfen. Stiftung Warentest, Berlin 2011

1 AWMF online – S2 Leitlinie Dermatologie: Neurodermitis (04/2008), S. 12